Was Ihr Anlageberater wirklich meint

Vorsicht: Ihr Bankberater spielt nicht zwingend mit offenen Karten. Denn sein Lohn hängt davon ab, welche Finanzprodukte er Ihnen verkauft.

Verkäufer von Bankprodukten nennen sich „Berater“. Fast alle Medien übernehmen diese irreführende, von den Banken diktierte Bezeichnung.

Bei der Migros oder im Coop haben die Verkäuferinnen und Verkäufer einen Fixlohn. Die Kunden wissen, wer sie vor sich haben. Dagegen gaukeln viele Banken vor, im Interesse ihrer Kunden zu „beraten“. Im Gegensatz zur Migros oder Coop hängt bei vielen „Bankberatern“ die Höhe des Gehaltes davon ab, welche Bankprodukte sie den Kunden andrehen können.

Entsprechend viel professioneller sind die Bankverkäufer geschult, um zum Beispiel Gebührenoptimierung in eigener Sache zu betreiben. Und entsprechend schwächer stehen die Bankkunden da. Mit wenigen Ausnahmen wehren sich alle Banken gegen ein obligatorisches Protokoll des Verkaufsgesprächs, dass der Kunde kontrollieren und unterschreiben kann. Nur mit einem solchen Protokoll könnten die Kunden später beweisen, dass sie der „Bankberater“ über die Risiken der empfohlenen Anlagen zu wenig aufgeklärt hat. Somit könnte die Bank wenigstens teilweise für Verluste haftbar gemacht werden.

Lassen Sie sich deshalb von Kundenberatern nichts aufschwatzen, was sie nicht verstehen. Für mehr Gewinn drängen Banken auf höhermargige Anlageprodukte. Das Kundenwohl steht längst nicht immer im Vordergrund. Der Druck in vielen Banken auf Kundenberater ist gross.

Blindes Vertrauen kann teuer werden. So fordert Monika Roth, Professorin für Compliance und Finanzmarktrecht an der Hochschule Luzern, ein totales Provisionsverbot (Retrozessionen).